Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
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Abgeschlossene Projekte

Staatsmärtyrer: Ästhetik und Performativität eines gegenwärtigen politischen Diskurses
Baldassare Scolari

Das Dissertationsprojekt untersucht die politische Bedeutung der Märtyrerfigur im öffentlichen Raum Italiens. Es fokussiert auf mediale Repräsentationen des christdemokratischen Politikers Aldo Moro, der 1978 von den Roten Brigaden getötet wurde. Die Untersuchung postuliert einen Zusammenhang zwischen Prozeduren der Legitimierung politischer Autorität und der diskursiven Konstruktion von Märtyrerfigurationen, im Falle Aldo Moros als "Staatsmärtyrer". Martyrologische Repräsentationen werden als wirkungsmächtige Sprachformen angesehen, auf deren Basis eine zivilreligiös konnotierte Staatsmythologie aufrechterhalten wird bzw. werden kann. Arbeitsgrundlage der Recherche sind ausgewählte Dokumente aus unterschiedlichen Medien wie Zeitungen, Romanen, Filmen und TV-Dokumentationen. Die von Michel Foucault erschlossene Diskurstheorie bildet den zentralen theoretischen Rahmen der Arbeit. Basierend auf der genealogischen und archäologischen Analyse des Diskurses um den Fall Moro, möchte dieses Projekt die Rolle und Funktion von Märtyrerfiguren in politischen Diskursen der Gegenwart beleuchten.

link zum Thema – UZH News

 

Religion Encapsulated: An Inquiry into Structural and Functional Analogies between Marketing and Religion
Michael Ulrich

Gegenstand dieses Dissertationsprojektes sind die Wirkungsmechanismen der äusserst erfolgreichen Marketingstrategie von Nespresso. Marktanteile von 20% und mehr, dazu Betriebsgewinn-Margen von mehr als 30% (Wall Street Journal 21.11.2012) verlangen nach einer Erklärung, die sich nicht in einer Standard-Analyse von Marketing-Budgets, Identifikation mit der Marke sowie Kundentreue erschöpft. Das Forschungsprojekt nähert sich dieser erfolgreichen Strategie innerhalb eines religionstheoretischen Bezugsrahmens an und stellt die Frage, ob diese Strategie auf der theoretischen Ebene Strukturanalogien zu religiösen Symbolsystemen aufweist. Die Entwicklung des theoretischen Rahmens stützt sich auf Stuart Halls Kulturtheorie, auf Daria Pezzoli-Olgiatis Analyse des Imaginären sowie auf den Beitrag von James M. Buchanan über Güter mit künstlich erschaffener Knappheit (Klubtheorie). Neben der Frage, inwieweit die Ergebnisse verallgemeinert werden können, untersucht diese interdisziplinäre Arbeit eine mögliche Aneignung der Bedeutungsproduktion religiöser Symbolsysteme durch die Geschäftswelt. Somit leistet sie einen Beitrag zu der oft nur marginal erforschten ökonomisch-monetären Dimension innerhalb der Religionswissenschaft.