Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
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Gender und Religion: Ein epistemologischer Crash-Kurs (Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati)

Zoom-Vortrag im Rahmen der Reihe "Gender- und Queerstudies als erkenntnistheoretische Herausforderung für die Religionswissenschaft II"

18.10.2021

Am Mittwoch, 27. Oktober 2021 | Prof. Dr. Pezzoli-Olgiati | online via Zoom |  Zur Anmeldung
Gender und Religion: Ein epistemologischer Crash-Kurs

Im Wintersemester 21/22 veranstaltet das Institut für Missions-, Ökumene- und Religionswissenschaft (Prof. Dr. Giovanni Maltese) in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro des Fachbereichs Theologie und dem Institut für Religionswissenschaft der Universität Heidelberg (Prof. Dr. Inken Prohl) eine Ringvorlesung zu:

Gender- und Queerstudies als erkenntnistheoretische Herausforderung für die Religionswissenschaft

Zeit und Ort: 27.10.2021 – 19.01.2022, mittwochs, 18:15–19:45 Uhr, Zoom

Die religionswissenschaftliche Analyse von Diskursen, die als religiös verhandelt werden, hat bislang nur unzureichend die heteronormative Matrix hinterfragt, auf der die gegenwärtige Wissensproduktion zu Religion basiert. Bis in die Gegenwart hinein werden die sozialen Realitäten von Menschen, die einem hegemonialen Männlichkeitsverständnis nicht entsprechen, häufig unter die Erfahrung von Männern subsumiert. So werden Normen, Heilsversprechen usw., die von einem bestimmten, meist sehr eingegrenzten Kreis von Männern formuliert wurden, in der Regel als universal dargestellt – ein Umstand, der schon aufgrund sozialer Geschlechterdifferenzen und der damit einhergehenden unterschiedlichen Lebenserfahrungen als unwahrscheinlich gelten muss.

In den eher seltenen Studien und Debatten, in denen eine explizite Erwähnungen von Frauen oder aber von Identitäten, die heute meist unter LGBTQ* subsumiert werden, erfolgt, werden Aussagen und Sachverhalte unhinterfragt als historischen Gegebenheiten aufgefasst. Die Möglichkeit, dass das „Andere“ (das andere Geschlecht usw.) als Phantasieprodukt bestimmter „männlicher Vorstellungen“ figuriert und damit nur eine bestimmte hegemoniale Sichtweise auf die soziale Realität reproduziert wird, kommt selten in den Blick. Die Repräsentation des „Anderen“ verdankt sich dominierenden gesellschaftlichen Zuschreibungen, an deren Aushandlungsprozessen die Repräsentierten (Frauen, LGBTQ*s usw.) – wenn überhaupt, dann – nur marginal beteiligt waren. Dadurch wird eine phallogozentrische Repräsentation naturalisiert (etwa qua Geschichtsschreibung), die Ausschlussmechanismen verschleiert. Eine heteronormative Matrix, jenseits der Wirklichkeit kaum denkbar zu sein scheint, wird reifiziert.

Im Mittelpunkt der Ringvorlesung steht die Frage, wie die in den dominierenden Narrativen und Repräsentationen ausgeschlossenen bzw. unterdrückten Identitäten und deren Repräsentation von sozialer Wirklichkeit sichtbar gemacht werden können. Dabei gilt es, den Fokus auf Brüche in hegemonialen „männlichen“ Perspektiven zu richten und mögliche Szenarien „weiblicher“ bzw. alternativer sozialer Realitäten zutage treten zu lassen. Zugleich gilt es, die epistemologischen Prämissen, welche die gegenwärtige Religionswissenschaft bestimmen, kritisch zu reflektieren. Es wird davon ausgegangen, dass binäre Geschlechternormen zwar historisch zur Sensibilisierung und zum Widerstand gegen Ausschluss- und Unterdrückungsmechanismen geführt haben, dass Geschlechtsidentitäten jedoch nicht auf ein Binar (männlich/weiblich) reduziert werden können. Die Beiträge der Vorlesung eröffnen neue Perspektiven auf die Bedingungen der Religionsforschung und präsentieren neueste Befunde im gesamten Gender- und Queer-Spektrum.

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