Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
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Krankheit und Religion

Blockseminar an der Venice International University
5.–8. November 2021

Studierende, die am Seminar teilnehmen möchten, werden eingeladen, Vorschläge für Themen und Aktivitäten bis 1. Oktober 2021 einzureichen. Am 20. Oktober um 18.00 Uhr findet eine Informationssitzung statt. Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte per E-Mail an Loren.Stuckenbruck@lmu.de oder pezzoli@lmu.de.

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Die Erfahrung von Krankheit prägt individuelle Biografien und Gemeinschaften nachhaltig. Wie wir nun in dieser besonderen Zeit realisieren, beeinträchtigt die Pandemie weltweit das Funktionieren der Gesellschaft. Das Seminar erkundet das vielschichtige Verhältnis von Krankheit und Religion mit Beiträgen aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven wie der Theologie, der Biblischen Studien sowie der Literatur- und der Religionswissenswissenschaft mit Einblicken in Geschichte und Gegenwart.

Das Seminar möchte unterschiedliche Fragen des Verhältnisses von Krankheit und Religion vertiefen. Einerseits werden wir uns mit religiösen Traditionen aus der Antike und aus Europa beschäftigen, andererseits werden wir über das Verhältnis von Krankheit und Religion in der Stadt Venedig nachdenken und uns dabei in einer Exkursion auf der Biennale für Architektur mit zeitgenössischen Entwürfen auseinandersetzen.

Insbesondere stehen folgende Fragebereiche im Zentrum der Lehrveranstaltung:

Welt-, Menschen- und Körperbilder angesichts von Krankheit
Religiöse Traditionen rahmen Krankheit auf unterschiedliche Arten und Weisen. Sie versuchen, der Erfahrung von Fragilität und Zerbrechlichkeit einerseits einen Sinn zu verleihen, anderer-seits belassen sie diese Erfahrungen im Bereich des Unkontrollierbaren.
- Wie wird Krankheit in religiösen Traditionen repräsentiert und konzeptualisiert?
- Welche Begriffe, Metaphern und Bilder werden dafür verwendet, um Krankheiten zu be-schreiben?
- Welche normativen Konnotationen enthalten sie?

Das Spannungsverhältnis zwischen Krankheit und Heilung
Religiöse Symbolsysteme bieten vielfältige Strategien des Umgangs mit oder der Überwindung von Krankheit. Hier spielen Rituale und andere Handlungen eine wichtige Rolle.
- Wie gehen religiöse Traditionen mit Krankheit um?
- Welche therapeutischen Ansätze kommen vor?
- Welche Organisationsformen im Umgang mit Religion konstituieren sich?

Das Spannungsverhältnis von Krankheit und Tod
Krankheit und Tod stehen in einem besonderen Bezug zueinander.
- Wie gehen religiöse Traditionen mit der Erfahrung der Fragilität des Lebens um?
- Wie gehen sie mit tödlichen Krankheiten um?
- Wie begegnen religiöse Gemeinschaften Epidemien, die ganze Gesellschaften gefährden?

Krankheit, Religion und der Raum
Das Verhältnis von Religion, Krankheit und Raum spiegelt sich in der Gestaltung einer Stadt wie Venedig eindeutig: Bauten von Bruderschaften, Spitälern und Krankenhäusern dokumen-tieren unterschiedliche Entwicklungen des Umgangs von religiösen Institutionen mit Krankheit. Auch angesichts der heutigen Krise fragen sich Stadtdesigner:innen, wie die Pandemie den Umgang mit der Stadt verändern wird. Programmatisch trägt die Architektur-Biennale 2021 den Titel: “How will we live together?”
- Welche historischen Aspekte des Verhältnisses von Religion und Krankheit lassen sich in der Stadt Venedig beobachten?
- Wie wird das Thema Krankheit und Religion in der Architektur-Biennale 2021 reflektiert? Welche Zukunftsszenarien spiegeln sich in den verschiedenen Projekten?

Organisation

Profs. Dres. Loren T. Stuckenbruck, Neues Testament, LMU; Robert Yelle und Daria Pezzoli-Olgiati, Religionswissenschaft, LMU; Susanne Reichlin, Germanistik, LMU; Andreas Schwab, Griechische Literatur, Universität Bonn.

Termine

Freitag, 5. November (9.00 Uhr) bis Montag, 8. November (12.00 Uhr) 2021

Teilnahmebedingungen

Die Veranstaltung findet auf der Insel San Servolo in Venedig statt. Für die Reise- und Über-nachtungsspesen stehen Mittel der LMU zur Verfügung. Bitte bewerben Sie sich mit einem Abstract von 1-2 Seiten, in dem Sie ein Thema und eine Aktivität (Kurzvortrag mit Diskussion, Führung durch die Stadt, Gruppenarbeit usw.) vorschlagen. Wir freuen uns auf vielfältige und qualitativ hochstehende Projekte!

Literatur

Comune di Venezia, Assessorato alla cultura e alle belle arti, Venezia e la peste: 1348–1797, Venezia: Marsilio 1980.

Bamji, Alexandra, Marginalia and mortality in early modern Venice, Renaissance Studies, 33, 5, 2019, 808–831.

Boccato, Carla, Testimonianze ebraiche sulla peste del 1630 a Venezia, La Rassegna Mensile di Israel, 41, 9/10, 1975, 458–467.

Gerlitz, Peter et al., Art. Krankheit, in: Müller, Gerhard, ed., TRE, 19, 675–709.

Mauceri, Joseph, The Great Break: A Short History of the Separation of Medical Science from Religion, Barrytown: Station Hill Press 1986.

Novakovic, Lidija, Messiah, the Healer of the Sick: A Study of Jesus as the Son of David in the Gospel of Matthew, Tübingen: Mohr Siebeck 2003.

Stuckenbruck, Loren T., The Human Being and Demonic Invasion: Therapeutic Models in An-cient Jewish and Christian Texts, in: ebd., ed., The Myth of Rebellious Angels: Studies in Second Temple Judaism and New Testament Texts, Grand Rapids: Eerdmans 2017, 161–186.

Sullivan, Lawrence, ed., Healing and Restoring: Health and Medicine in the World’s Religious Traditions, New York/London: Macmillan 1989.

Thiessen, Matthew, Jesus and the Forces of Death: The Gospels’ Portrayal of Ritual Impurity within First-Century Judaism, Grand Rapids: Baker Academic 2020.

Weissenrieder, Annette/Etzelmüller, Gregor, eds., Religion und Krankheit, Darmstadt: WBG 2010.