Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
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Spiritualität und Sinn – Seelsorge und Kognitive Verhaltenstherapie im Gespräch

Interdisziplinäre Tagung vom 14.-15. Februar 2019

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist in der Medizin und Psychotherapie etabliert und wird als eines der drei anerkannten psychotherapeutischen Verfahren am häufigsten in der Praxis angewendet. In der evangelischen Seelsorgelehre wurde diese Form der Therapie hingegen bislang kaum angemessen wahrgenommen. Obwohl der Anspruch der aktuellen Poimenik darin besteht, verschiedene psychologische und psychotherapeutische Strömungen kritisch zu diskutieren und zu rezipieren, besteht hier erheblicher Nachholbedarf. Als übergeordnete Metaperspektive wird das Verhältnis von Psychologie und Theologie thematisiert.
Eine Schnittstelle, die beide Disziplinen verbindet, ist die Beschäftigung mit Religion bzw. Spiritualität. Nach dem Boom der psychotherapeutisch orientierten Seelsorgelehre in den letzten Jahrzehnten ist nun wieder verstärkt von der Wahrnehmung religiöser Themen im Seelsorgegespräch die Rede. Auch von psychotherapeutischer Seite wird in jüngster Zeit wieder Religion / Spiritualität zum Thema psychotherapeutischer Intervention gemacht. Ansätze wie sinnbasierte Interventionen, Spiritual Care oder spirituelle Psychotherapie versuchen, die Potenziale und Konflikte von Religion in der Therapie einzubinden. Neue Entwicklungen in der KVT verbinden Methoden schulenübergreifend miteinander: z.B. Schematherapie, Mindfulness based stress reduction (MBSR), Acceptance and Commitment Therapy (ACT) oder emotionsfokussierte Therapie. Diese können Weiterentwicklungen in der Seelsorgelehre anregen, sind aber dort bislang kaum bekannt.

 Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Disziplinen sollen während der Fachtagung ins Gespräch kommen, während folgende Fragen einen ersten Fokus der Tagung bilden:

  • Welche historischen Entwicklungslinien lassen sich zwischen beiden Disziplinen, Seelsorge und Kognitiver Verhaltenstherapie, nachzeichnen? Wie lässt sich die Distanz, aber neuerdings auch die Annäherung beider erklären und verstehen?
  • Theoretische Grundlegungen von Sinn / Religion / Spiritualität: Welche begrifflichen Bestimmungen sind für einen Dialog notwendig?
  • Was kann Seelsorge von der Kognitiven Verhaltenstherapie lernen? Was kann KVT von Seelsorge lernen? Welche Ansätze zu deren sinnvoller Verbindung gibt es?
  • Welche institutionellen Herausforderungen entstehen in der Zusammenarbeit von Seelsorge und KVT? Wie kann eine Zusammenarbeit beider Professionen gelingen?
  • Welche grundlegenden Unterschiede bestehen in beiden Disziplinperspektiven (etwa Theorieannahmen wie Anthropologie, Zielsetzung, Herangehensweise, Behandlungsrational, Zielgruppen, Methodik)?
  • Welche Formen gibt es, Religion / Spiritualität mit in die Therapie bzw. die Seelsorge einzubeziehen und welche Implikationen und Voraussetzungen hat dies für die Professionen?
  • Neue Methoden und Schulrichtungen in der KVT: Welche Anknüpfungspunkte bieten sie für religiöse und sinnbezogene Fragen (z.B. ACT, Schematherapie, MBSR)?
  • Was bedeutet ein vertiefter Diskurs zwischen Seelsorge und KVT für die Zukunft?
  • Gesellschaftliche Kontexte und Entwicklungen bestimmen den interdisziplinären Dialog stets mit. In welcher Weise wirken sich z.B. Individualisierungsprozesse, spirituelle Suchbewegungen, religiöse Pluralisierung auf Seelsorge und KVT aus?
  • Fort- und Ausbildung: Welche theoretischen Kenntnisse sind auf beiden Seiten notwendig für eine professionelle Begleitung von Patienten bzw. Seelsorgesuchenden?
  • Erfahrungen aus der Praxis: In welcher Weise sind Seelsorgende und Psychotherapeut*innen mit religiösen, spirituellen und sinnbezogenen Fragen konfrontiert? Wie bestimmt ihre eigene Grundhaltung die Begleitung mit (z.B. in der ambulanten / stationären Therapie, in der (Alltags)Seelsorge, im Krankenhaus)?

Ziel der Tagung: Ein interdisziplinärer Dialog mit anschließender Veröffentlichung der Beiträge – zudem eine Vernetzung von Perspektiven der Praxis und der Theorie durch die Beteiligung von Seelsorgenden und Psychotherapeut*innen

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Call for PAPERS:
Abstract max. 500 Wörter, Beschreibung von Inhalt, disziplinärem Hintergrund sowie prägnanter These des Beitrags. Zudem bitten wir um Angabe von Kontaktdaten, beruflichem Hintergrund, Arbeits- und Forschungsschwerpunkten.
Bitte senden Sie Ihr Abstract bis zum 15.7.2018 an annette.haussmann@lmu.de                                                                                                                                                                       Im Anschluss an die Einsendung werden die Beitragsvorschläge gesichtet und für die Tagung ausgewählt.
Publikation: Im Anschluss an die Tagung werden die Beiträge in einem Sammelband veröffentlicht. Wir bitten daher um eine Ausarbeitung der Tagungsbeiträge bis zum 1.4.2019.

 

Involvierte Mittelbauangehörige:

Annette Haußmann und PD Dr. Rainer Höfelschweiger (Augustana-Hochschule, Neuendettelsau)

Kontakt:

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Annette Haußmann

 

Wir freuen uns auf Beiträge und Teilnehmende!


Gefördert wird das Vorhaben durch die LMU München und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Referentinnen und Referenten kann daher ein Zuschuss zu Reise- und Übernachtungskosten gewährt werden.

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