Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
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Internationale Master Class

Utopien und Heterotopien: Imaginäre Räume in der europäischen Religionsgeschichte

LMU, 30. November - 3. Dezember 2017

Der Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Religionsgeschichte bietet in jedem akademischen Jahr eine internationale Master Class an. Dieses Lehrformat bietet engagierten MA-Studierenden die Möglichkeit, in einem internationalen und transdisziplinären Kontext aktuelle Themen religionswissenschaftlicher Forschung zu vertiefen. Die Master Class ist Teil einer festen Kooperation mit der Università Macerata im Kontext des Forschungsprojektes "Shared Places. Religious Diversity in the Public Space". Das Lehrangebot steht Studierenden der Religionswissenschaft, der Theologie und weiterer geisteswissenschaftlicher Disziplinen an der LMU und der Partneruniversität offen.

Die zweite internationale Master Class am Lehrstuhl für Religionswissenschaft dreht sich um Utopien und Heterotopien:
Utopien und Heterotopien sind Denkräume, in denen sich religionswissenschaftliche und philosophische Traditionen begegnen. In dieser Lehrveranstaltung werden Grundkonzepte von Utopien anhand theoretischer Texte und historischer Beispiele erörtert. Wie werden diese imaginären Orte gedacht? Was leisten Konzepte von idealen Städten, politischen Organisationsformen oder jenseitigen Erlösungswelten in der europäischen Religionsgeschichte? Was geschieht, wenn diese Denkräume umgesetzt werden? Das Seminar leistet einen Beitrag zur Vertiefung des Verhältnisses von Raum, Religion und Politik und ist Teil einer internationalen Lehrkooperation.

Dieses Seminar ist in drei Arbeitsphasen aufgebaut:

Am 19.10; 26.10; 16.11; 23.11 (jeweils 10–12) werden Grundtexte als Vorbereitung der Master Class gemeinsam besprochen. Dieser Teil findet auf Deutsch statt.

Vom 30.11 bis 3.12 findet die Master Class statt. Das Thema der Utopie und Heterotopie wird in einem internationalen Kontext diskutiert und anhand geschichtlicher Fallbeispiele vertieft. Eine Filmvisionierung und eine Exkursion im Raum München runden das Programm ab. Dieser Teil des Seminars wird in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Carla Danani, Universität Macerata, veranstaltet. An der Master Class nehmen auch Studierende aus Italien und weitere Forschende teil. Aus diesem Grund wird Englisch gesprochen.

Am 14.12 (10–12) werden die Projekte für die Hausarbeiten vorgestellt und gemeinsam besprochen (auf Deutsch oder Englisch).

Die Literaturliste wird in der ersten Stunde verteilt. Das Seminar findet teils auf Deutsch und teils auf Englisch statt.

Voraussetzungen

Ein Interesse für interdisziplinäre Fragestellungen ist Voraussetzung für den Besuch des Seminars. Im Seminar wird erwartet, dass man die Texte für die jeweiligen Sitzungen gründlich liest und sich aktiv an der Veranstaltung (mit Kurzvorträgen, Diskussionsleitungen, u. Ä.) beteiligt.

Orte und Rituale der Memorialisierung

LMU, 4.-7. Mai 2017

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Transdisziplinär Lehren und Lernen

synthesis-2Vom 4. bis 7. Mai fand die Master Class zum ersten Mal unter der Leitung von Prof. Carla Danani (Università di Macerata) und Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati (LMU) statt. Im Mittelpunkt des Austausches zwischen den Studierenden der LMU und der italienischen Partneruniversität stand das Thema "Places and Rituals of Memorialisation". Die Lehrveranstaltung verband drei thematische Linien. Zuerst wurden grundlegende theoretische Konzepte anhand Texten von Edward S. Casey, Aleida Assmann, Stanley Tambiah und James E. Young vertieft und in verschiedenen Gruppen kritisch analysiert. Zweitens wurden diese Konzepte mit unterschiedlichen Fallstudien in Verbindung gebracht, die verschiedene Dimensionen der Memorialisierung widerspiegeln. Die Vorstellung dreier laufender Forschungsprojekte beleuchtete die Frage der Memorialisierung in unterschiedlichen kulturellen und zeitlichen Kontexten in Italien, Amsterdam und Kairo:

  • States Martyrs: Rituals and Places of Memorialisation – Baldassare Scolari (University of Zurich)
  • On the Border: Liminality in a Commemoration of Boat Refugees – William R. Arfman (Leiden University)
  • Dynamics of the Sacred: Martyrs, Murals and Public Space in Cairo – Giulia Giubergia (University of Gothenborg)

masterclass-sose-2017-2Die Visionierung des Filmes The Circle of Memory (Il cerchio del ricordo, Andrea Rossini, IT 2007) konfrontierte uns mit der Frage nach der Bedeutung von Denk- und Mahnmalen des zweiten Weltkriegs nach dem Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslaviens.
Erweitert wurde die Diskussion durch den Vortrag von Prof. Dr. Mark George (Illiff School of Theology, Denver), "Veriscription: Place, Writing, Memorialisation, and the People of the Book", mit einem Blick auf die Antike und der Fragestellung nach der Leistung von Schriftlichkeit in Praktiken der Memorialisierung und der Identitätsbildung des Volkes Israel im Deuteronomium.
Drittens wurde das Thema in seinem Verhältnis zu Religion im Kontext der Entstehung und Verbreitung des Nationalsozialismus in München betrachtet, mit einem Besuch der Münchner Dokumentationsstelle zum Nationalsozialismus, wo wir eine spannende Führung erleben durften.
masterclass-sose-2017-3Schließlich bildeten theoretische Überlegungen und empirische Befunde anhand intensiver Kleingruppengespräche und einer Schlusssynthese durch Dolores Zoé Bertschinger und Valentina Carella, Doktorierende der Religionswissenschaft an der LMU bzw. der Philosophie an der UniMc, ein produktives Spannungsfeld.masterclass-sose-2017-4
In einer entspannten Atmosphäre, in der sich alle Teilnehmenden anhand von Kurzreferaten, Responses, Vorträgen, Kleingruppen- und Plenumsgesprächen aktiv beteiligten, kamen diverse Aspekte gegenwärtiger Forschungsarbeit zusammen: Disziplinen wie Philosophie, Religionswissenschaft und Theologie sowie unterschiedliche wissenschaftliche Traditionen aus Italien, den USA, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden traten in einen bereichernden Austausch. Fragen nach den Korrespondenzen der Schlüsselbegriffe wie Space, Place, Memory, Memorial, Counter-Memorial, Ritual and Practice – im Englischen, Deutschen und Italienischen – trugen dazu bei, die Pluralität an Sprachen als kreativen Moment zu entdecken. Wir bedanken uns – auch im Namen unserer italienischen Kolleginnen und Kollegen – bei allen Teilnehmenden und sind gespannt auf die Lektüre der Hausarbeiten, die zur Veranstaltung entstehen werden. Die aufwändige Organisation konnte dank der effizienten Kooperation der Internationalen Dienste der involvierten Universitäten sowie durch das Engagement von Tanja Posch bewältigt werden.

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Die nächste Master Class findet im Wintersemester 2017/18, vom 30.11. bis 3.12.2017 statt, mit dem Thema "Utopien und Heterotopien: Imaginäre Räume in der europäischen Religionsgeschichte". Für Fragen steht das Sekretariat gerne zur Verfügung: RW@evtheol.uni-muenchen.de


München, 11. Mai 2017