Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
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Dissertationen

  • Religion Encapsulated: An Inquiry into Structural and Functional Analogies between Marketing and Religion
    Michael Ulrich

    Gegenstand dieses Dissertationsprojektes sind die Wirkungsmechanismen der äusserst erfolgreichen Marketingstrategie von Nespresso. Marktanteile von 20% und mehr, dazu Betriebsgewinn-Margen von mehr als 30% (Wall Street Journal 21.11.2012) verlangen nach einer Erklärung, die sich nicht in einer Standard-Analyse von Marketing-Budgets, Identifikation mit der Marke sowie Kundentreue erschöpft. Das Forschungsprojekt nähert sich dieser erfolgreichen Strategie innerhalb eines religionstheoretischen Bezugsrahmens an und stellt die Frage, ob diese Strategie auf der theoretischen Ebene Strukturanalogien zu religiösen Symbolsystemen aufweist.
    Die Entwicklung des theoretischen Rahmens stützt sich auf Stuart Halls Kulturtheorie, auf Daria Pezzoli-Olgiatis Analyse des Imaginären sowie auf den Beitrag von James M. Buchanan über Güter mit künstlich erschaffener Knappheit (Klubtheorie).
    Neben der Frage, inwieweit die Ergebnisse verallgemeinert werden können, untersucht diese interdisziplinäre Arbeit eine mögliche Aneignung der Bedeutungsproduktion religiöser Symbolsysteme durch die Geschäftswelt. Somit leistet sie einen Beitrag zu der oft nur marginal erforschten ökonomisch-monetären Dimension innerhalb der Religionswissenschaft.

  • Spielräume in kolonialen Beziehungen: Interkulturelle Begegnungen in der Gesellschaft der Wabena in Südtanzania mit Berliner Missionaren zu Beginn des 20. Jh.
    Barbara Heuermann

    Das Dissertationsprojekt untersucht die Biographien von Lupituko Mkayula und Christian Schuhmann, die sich in Tanzania zu Beginn des 20. Jh. begegneten und das Neue Testament aus dem Griechischen in die lokale Sprache der Bena übersetzten. Zwischen dem Berliner Missionar und dem getauften Angehörigen der Gesellschaft der Wabena entfaltete sich ein intensiver Austausch über die Grenzen der jeweiligen kulturellen Zugehörigkeit hinweg. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit steht die Frage nach Handlungsmacht und Freiraum dieser Persönlichkeiten und ihre Interaktionen als lokaler „native speaker“ und „fremder“ Vertreter einer deutschen Missionsgesellschaft. Anhand von Archivmaterialien sollen die jeweilige Biographie erstellt und die Bedeutung dieser Begegnung analysiert werden. Als theoretischer Horizont für die Untersuchung dient David Chidesters Konzept der „kolonialen Kontaktzonen“, das den ersten Kontakt von sich bis dahin unbekannten Kulturen in einem offenen und von gegenseitiger Abhängigkeit gekennzeichneten Grenzraum verortet. Darin können Formen von Zusammenarbeit und Austausch, von Widerstand und Wissensproduktion entstehen, die in durchaus konfliktreichen Aushandlungsprozessen von den Akteuren aktiv mitgestaltet werden.

  • Staatsmärtyrer: Ästhetik und Performativität eines gegenwärtigen politischen Diskurses
    Baldassare Scolari

    Das Dissertationsprojekt untersucht die politische Bedeutung der Märtyrerfigur im öffentlichen Raum Italiens. Es fokussiert auf mediale Repräsentationen des christdemokratischen Politikers Aldo Moro, der 1978 von den Roten Brigaden getötet wurde. Die Untersuchung postuliert einen Zusammenhang zwischen Prozeduren der Legitimierung politischer Autorität und der diskursiven Konstruktion von Märtyrerfigurationen, im Falle Aldo Moros als "Staatsmärtyrer". Martyrologische Repräsentationen werden als wirkungsmächtige Sprachformen angesehen, auf deren Basis eine zivilreligiös konnotierte Staatsmythologie aufrechterhalten wird bzw. werden kann. Arbeitsgrundlage der Recherche sind ausgewählte Dokumente aus unterschiedlichen Medien wie Zeitungen, Romanen, Filmen und TV-Dokumentationen. Die von Michel Foucault erschlossene Diskurstheorie bildet den zentralen theoretischen Rahmen der Arbeit. Basierend auf der genealogischen und archäologischen Analyse des Diskurses um den Fall Moro, möchte dieses Projekt die Rolle und Funktion von Märtyrerfiguren in politischen Diskursen der Gegenwart beleuchten.

    link zum Thema – UZH News